Winzerportrait: Mike Rudolph, Tenuta San Giorgio, Cassina d’Agno

Der künachter Mike Rudolph macht Bordeaux im Tessin

Anlässlich der reduzierten Weintage im Hotel Ermitage in Schönried durfte ich die Weine von Mike Rudolph von der Tenuta San Giorgio degustieren und war vor allem von dem Basiswein mehr als begeistert. Einen ‘Bordeaux’ (Merlot / Cabernet Franc / Cabernet Sauvignon) aus der Schweiz, zu einem Preis von unter CHF 20, der so Spass macht im Glas, ist fast einmalig.

Mike Rudolph ist in Küsnacht am Zürichsee aufgewachsen und zum Glück hat es ihn ins Tessin verschlagen.

6 Fragen an Mike Rudolph:

1. Wie ist Ihre Weinleidenschaft entfacht worden?

Habe eigentlich erst so mit 22 Jahren angefangen Wein zu trinken, gekocht habe ich immer schon gern und so war das irgendwie noch die Natürliche Ergänzung. Durch irgendwie einen Zufall (grosse Familie)  kam das Grundstück mit Reben in den Besitz von meinem Vater im 1990. Er intensivierte den Rebbau und so entstand langsam die Idee mehr aus dem zu mache und sich weiterzubilden im Weinbereich. Aus den Ursprünglich 8000 m2 wurden heute 7 Hektaren und eine Weinproduktion von ca. 30‘000 Flaschen.

2. Wie war der Wein-Werdegang?

Als Quereinsteiger machte ich zuerst ein jähriges Praktikum bei Dani Huber und in dieser Phase wurde der erste Teil vom Keller gebaut. Im ersten Jahr hatten wir ca. 3000 Flaschen. 1000 Arco Tondo und 2000 Sottoroccia. Im 2003 kam der erste Crescendo und heut eumfasst die Weinpalette 3 Rotweine und 3 Weissweine, einen Spumante und manchmal einen Limited Edition.

Persönlich habe ich mich weitergebildet an der UC-Davis an einem Onlinekurs, Wädenswil, Messen und im Austausch mit anderen Winzern.

3. Welche ist Ihre Lieblings-Traube? Und aus welchen Grund?

Ich habe sehr gerne die Bordelaiser Trauben, d.H. Merlot, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Petit Verdot. Wobei ich den Petit Verdot schon ziemlich cool finde. Er ist schon als Rebe irgendwie sehr eigenständig und die Weine gefallen mir sehr gut (Würzig, speziell im Bouquet)  Leider ist er etwas anfällig auf die Flaveresence Doree.

4. Haben Ihre Weine schon Preise gewonnen? Und wenn ja, was bedeutet das für Sie?

Ja das mit den Preisen ist so eine Sache. Als relativ Junger Betrieb braucht man heute etwas Publizität und so machen wir an Wettbewerben mit. Wir haben das Glück, dass die Weine oft sehr gut bewertet werden und wir somit etwas bekannter werden. Es ist einfach so, dass es sehr viel Wein gibt in der Schweiz und die Übersicht sehr schwierig ist. Wir persönlich brauchen die Wettbewerbe auch als Benchmark um zu sehen, wo wir stehen. Natürlich machen wir immer unsere Weine mit ihren Charakteren.

5. Wie ist ihre Einstellung zur der Diskussion um Pflanzenschutz?

Im Tessin Rebbau ohne Pflanzenschutz ist unmöglich. Unsere Idee ist es so wenig und so natürlich wie möglich zu schützen. Dieses Jahr mit 200mm Regen im Mai waren wir schon echt gefordert. Irgendwie muss alles etwas im Verhältnis sein. Bio um jeden Preis schaffen wir nicht mit 7 Hektaren und meinen Mitarbeitern. Wir haben jedoch je nach Jahr gewisse Parzellen schon Biologisch behandelt und würden das sehr gerne ausbauen, wenn das Klima es erlaubt.

6. Was halten Sie von Naturwein?

Ich denke gewisse Ansätze sind sehr gut und des gibt sehr gute Naturweine. Neue Ideen und Inputs nimmt man da gerne rein. Ich glaube sie haben ein neues Segment von Wein eröffnet, dass ich mit Interesse verfolge.