Aktuelle News aus dem Rebberg (Juni 18)

Liebe Winzerinnen, liebe Winzer, liebe Interessierte

 

Warm und tüppig ist es ……….

Ich war gestern für eine Schätzung im Tessin. Auch dort ungemein viel Feuchtigkeit in der Luft. Letzte Woche war ich am Bielersee für eine Schätzung. Das gleiche gefühlte Empfinden.

Und doch gibt es grosse Unterschiede. Die teils nahrhaften Niederschläge haben ganze Regionen mit dem wichtigen Nass versorgt, während einzelne Gemeinden, wie hier im Seetal, nur selten beregnet werden. Die lokalen Unterschiede sind beachtlich. Eine Prognose ist nur sehr kleinräumlich zu machen.

 

Falscher Mehltau

 

In Stäfa am Zürichsee ist bereits die 14. Infektion am Laufen. 6 weitere sind für die nächsten 7 Tage prognostiziert. Die Gefahr ist also sehr gross. Das gilt in der Planung der nächsten Spritzungen rechtzeitig zu berücksichtigen. Die richtige Mittelwahl und der richtige Zeitpunkt.

Bei der Mittelwahl ist der Weg einer systemischen Variante die richtige. Man beachte, dass alle Mittel nur eine beschränkte Anzahl an Spritzungen erlauben (2-3 mal). Also muss gewechselt werden, damit die Gefahr einer Resistenz nicht aufkommt.

 

Die Zugabe, resp Anwendung von Kupfer wird im Kapitel Blüte besprochen !!!!!

 

Und wenns regnet?

 

Es wird immer wieder gefragt, wie schnell darf es regnen nach den Spritzungen. In der Praxis heisst die Frage, muss ich wiederholen? Eine gute Basis ist folgende Antwort: Je länger es geht bis zum Regen, je besser. 2 Stunden sollten genügen.

1 Stunde ist wohl zu wenig. Entweder wiederholen oder verkürzte Dauer bis zur nächsten Spritzung. Regnet es schon beim Spritzen ist eine Wiederholung sicher angebracht oder sogar dringend empfohlen.

 

Hagel

 

Seit Jahrzehnten wird nach Hagelschlägen vor der Hagelkrankheit Cinerea diplodiella gewarnt. Vermutlich sind es nun über 40 Jahre her seit dem letzten Nachweis in unseren Gegenden. Also, was machen wir nach Hagelschlägen?

Spritzen, weils die Hagelversicherung will ! Also machen wirs …….

Nach einem Hagelschlag empfehle ich eine nächste Spritzung gegen den Falschen Mehltau nach Plan vorzuziehen. Schnellstmöglich. Ab Blüte ist der Zusatz von Kupfer sicher vorteilhaft. Es geht dabei nicht nur um den Falschen Mehltau, als vielmehr um die Heilung der Verwundung auf allen grünen Organen der Reben und die Erneuerung des Mittelbelages auf den Blättern und den Trübel. Übrigens, es hat in allen Mitteln gegen den Falschen Mehltau das Produkt Folpet enthalten. Auch in den Systemischen. Das wird manchmal vergessen, wenn Winzer gegenüber Journalisten behaupten, dass sie ohne das Folpet arbeiten. Die Gebrauchsanleitung zu lesen lohnt sich immer. Es werden dort immer wieder Änderungen der Vorschriften beigepackt.

 

Echter Mehltau

Dunkelroter geht die Prognose nicht mehr. Das momentane Klima ist die beste Voraussetzung für Infektionen des Echten Mehltaues. Auch hier gilt: Ein lückenloser Schutz muss immer wieder erstellt werden, damit auch der Neuzuwachs der Triebe geschützt wird. Zu den systemischen Mittel gegen den Falschen Mehltau soll auch gegen den Echten Mehltau systemisch gespritzt werden. Der momentane Zuwachs an Blättern verlangt auch eine verkürzte Folge der Spritzungen. Auf der sicheren Seite ist man mit einem Intervall von 10 – 12 Tagen.

 

Traubenwickler

 

Bei den Arbeiten in der Traubenzone kann man jetzt sehr gut die Ablagen des Heuwurmes in die Trübel beobachten. Unser Zentralstellenleiter Res Wirth konnte die Kontrolle der Firma Andermatt Biokontroll AG begleiten. Die Kontrollen haben ergeben, dass die verwirrten Parzellen gut geschützt sind. Auch kann generell davon ausgegangen werden, dass der Einbindige Traubenwickler kaum vorkommt. In den ungeschützten (nicht verwirrten) Parzellen konnte nur der Bekreuzte Traubenwickler nachgewiesen werden. 2-3 % Befall in einem Betrieb am Zürichsee. Die Schadschwelle ist also nicht erreicht.

Trotzdem soll man ein Auge auf den Schädling werfen. Immer wieder.

 

Kirschessigfliege

 

Bei den Monitorings in den Kantonen wurden noch keine Proben entnommen. Darum ist die aktuelle Lage für eine Prognose noch nicht möglich. Einerseits hindert teilweise die momentane Temperatur eine Entwicklung des Schädlings. Die Feuchtigkeit anderseits spricht wieder andere Prognosen. Wichtig im Moment ist die Diskussion über Mittelwahl und Strategie, wenn die Suzukii dann zum Problem würde. Für die erlaubten Mittel habe ich im letzten Mail einen Link gesandt.

 

Blüte

 

Die Blüte der meisten Sorten ist wohl beendet. Das zeigen die Aufzeichnungen der Station Stäfa. (siehe Tabelle).

Wer Kupferarm spritzt, wird und soll die erste Nachblütenspritzung noch ohne Kupfer machen. Kupferarm heisst selbstverständlich auch, wenn man die Kupferzugaben nur in die Traubenzone appliziert. Nach meinen Erfahrungen wird man mit 1.2 bis 1.5 kg je Ha. auskommen.

 

DATUM PINOT NOIR GAMARET
22-05-18  57  57
28-05-18  61  57
04-06-18  65  65

 

 

Spritzplatz fürs Mittelanmachen und die Reinigung der Spritzgeräte

 

Letzte Woche wurden die Landwirte (und Winzer) des Kantons Zürich eingeladen für die Schulung zu den neuen Vorschriften zum Gewässerschutz. Schon ab 2020 gelten neue Vorschriften. Feste Plätze müssen gebaut werden für die Befüllung der Spritzmittelgeräte. Diese Plätze müssen auch das Wasser der 2. Innenreinigung und der Aussenreinigung auffangen können. Das verschmutzte Wasser muss auf dem Hof gereinigt werden. Verdunstungsmöglichkeit oder Abtransport in den Sondermüll.

 

Jetzt schon muss sich jeder Winzer Gedanken machen, wie er dem Gesetze Genüge leisten kann. Das gilt auch für den Hobbybereich.

 

Leider sind im Moment noch nicht alle Szenarien für die Umsetzung der Vorschriften vorhanden. Zentrale Plätze, Genossenschaftlich erbaute Plätze in der Gemeinde, Privatangebot eines Betriebes an Interessierte, Bauvorschriften, Bewilligungsverfahren und Finanzierung. Viel offene Fragen noch. Hier gibt es Hinweise zum Thema:

 

http://www.strickhof.ch/fachwissen/pflanzenschutz/spritzenreinigung/waschplaetze-fuer-spritzen/

 

Tatsache ist:

Wenn 100 kg Wirkstoff in den Bielersee gelangt – entspricht das 100 ng/Liter .

Das ist die Limite, die man erreichen will.

Im Moment zeigen Proben aus den Gewässern fast jede Aktivsubstanz, die im Moment in der Landwirtschaft angewendet wird. Warum wohl?

 

 

Erfreulich

 

Der Nationalrat hat den Zusammenschluss der Agroscope im Kanton Freiburg gestern zurückgewiesen. Hoffen wir auf den Ständerat.

Klaus Schilling,

 

 

 

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