Ökologie im Rebbau. Von der Freiwilligkeit zum Kommerz


Liebe Interessierte, Winzerinnen und Winzer

Vor Jahren, vielen Jahren – ich weiss, 1984/86 haben innovative Winzer zusammen mit der damaligen Forschungsanstalt sich mit der Ökologie im Rebberg auseinandergesetzt. Die Gruppe (ich war dabei), geführt durch die damaligen Wissenschafter Ernst Boller und Pierre Basler, befasste sich mit einer möglichen Reduktion der Spritzungen. Durch intensive Beobachtungen, durch erste Schritte von Prognosemodellen, sowie einer richtigen Begrünung im Rebberg und besseren Interpretationen von Analysen wurde ein richtungsweisendes und international beachtetes System des Integrierten Pflanzenschutzes erprobt und in die Praxis vieler Betriebe übernommen. Aus diesem nützlingsschonenden System entwickelte sich die allseits bekannte Integrierte Produktion.

Die Gruppe der mitmachenden Betriebe wurde immer grösser, formierte sich zu einem Verein. Dieser Verein organisierte Kurse, Weiterbildungen und auch die Betriebskontrollen, die damals stark durch das Element der Beratung geprägt war. Alle Teilnehmer waren freiwillig dabei. Einzig im Bestreben, ökologischer zu werden. Die Natur zu schonen. Die Erde gesund an die nächste Generation übergeben zu können.

Unterstützt wurde die Bewegung immer von der Forschungsanstalt Wädenswil, die sich um die Giftigkeit der chemischen Produkte und deren Wirkung kümmerte. Sie lehrte den Betriebsleitern die Prognosemöglichkeiten bei Krankheiten und den schonenden Umgang mit Nützlingen.

Bei der Einführung der Direktzahlungen im Rebbau wurde das System zu den Grundsätzen der Minimalbedingungen erhoben. Die Kontrolle war nicht mehr beratend sondern mit finanzpolizeilichen Aufgaben betraut. Abzug von Punkten führte zu Abzügen bei den Zahlungen. Der Deutschschweizer Verein verlor die Hohheit über das System an den Bund und an die homologierten Kontrolleure der Kantone. Alle Kontrollen beruhen noch heute auf Angaben des Betriebsleiters. (Vertrauen) Kontrollen im Ausland gehen tiefer, bis in die Buchhaltung und den Estrich.

Die IP hat sich nicht mehr weiterentwickelt. Es fehlt an den Gremien, die es in den meisten Fällen nicht mehr gibt.

Diese Aufgabe haben nun BIO Suisse und viele private Firmen übernommen. Sie erkannten, dass politisch eine Trendwende stattfand Richtung Erhalt der Pflanzenvielfalt und Gestaltung der Landschaft. Die Direktzahlungen sind zukünftig dort zu holen, wo diese politischen Ausrufezeichen gesetzt werden.

Bei den Massnahmen für eine schöne Landschaft holen nun Firmen das Geld beim Bund, um Gartenzäune, Infotafeln, Heusiloballen und schöne „Hosteten“ zu finanzieren. Natürlich, nicht ohne primär einmal die eigene Arbeit zu finanzieren. Gerade darum ist man dort enttäuscht, wenn der Rebbau an diesen Massnahmen am Zürichsee nicht mitmachen wollte………

Die Diskussion über das Herbizid RoundUp, (jetzt sogar ein Verbot in Frankreich) und die Verfeinerung der Analysen, die die Spritzung eines ganzen Jahres nachzuweisen vermag führte beim Bund zur Zielsetzung der Halbierung der eingesetzten Spritzmittelmenge.

Nicht nur das RoundUp, auch Folpet und Kupfer scheinen in nächster Zeit zu wanken. Es besteht keine Sicherheit mehr für Verlängerungen bei den Bewilligungen. Dass gerade diese beiden Mittel weiter Garanten sind für einen möglichen Pflanzenschutz löst keine Hilfeschreie aus durch die Verbände, die Produzenten und all die parlamentarischen Bauern. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Ohne Folpet geht’s wirklich nicht. „ Bitte lesen Sie die Etiketten oder fragen sie Ihren ….)

Warum erzähle ich euch diese Geschichte?

Bereits haben sich wieder neue Firmen formiert, die sich dem Thema annehmen. Beispiel: www.agrofutura.ch Sie haben sich beim Bundesamt (BLW) und bei den Kantonen vorgestellt und sind auf Begeisterung gestossen…… Diese Firmen sind getragen durch die vielen neu ausgebildeten Techniker und Ingenieure, die Zürich, Wädenswil und Changins jährlich zur Diplomierung führen.
Nun suchen diese Firmen Praxisbetriebe, die sich den Projekten anschliessen….., zur Verfügung stellen.

Mir kommt das bekannt vor. Nach über 30 Jahren wiederholt sich die Geschichte. Nur, ……. die Idee der freiwilligen Teilnahme für eine gute Sache hat Platz gemacht für ein Geschäft, das sich der Rentabilität verschrieben hat.

Da haben wir viel verloren, wie ich meine. Die Produzenten sind nicht mehr Gesprächspartner der verantwortlichen Politik. Schade.

Rebbauliche Grüsse

Klaus

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